Vorübergehende Anwesenheit 

Eine Reise durch anthropogene Landschaften

Andrea Bianchin & Tony Kranz

12. Mai –  22., 2021.

Zuhause

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Landschaft ist ein Ort auf der Erdoberfläche, der durch eine geografische und kulturelle Realität gekennzeichnet ist . Mit dieser Definition legte der Landschaftsforscher JB Jackson den Grundstein für ein zeitgenössisches Verständnis von Landschaft als System menschengemachter Räume. Landschaft kann nicht mehr nur als statisches, grünes und natürliches Gebilde außerhalb der Stadt verstanden werden, sondern muss als dynamischer Raum und komplexer Prozess charakterisiert werden.

Auf unserer einjährigen Reise durch Osteuropa, Russland, die Mongolei, Zentralasien, den Iran und den Kaukasus entstanden diese Fotografien als Momentaufnahmen einer Landschaft im Wandel. Unsere fotografischen Dokumentationen konzentrieren sich zwar nur auf einen bestimmten Teil der Erde, können aber dennoch als Zeugnis des globalen Wandels gelesen werden. Politische, wirtschaftliche und soziale Veränderungen haben immense Auswirkungen auf die Landschaft, die uns umgibt.

Je länger wir reisten, desto mehr interessierten wir uns sowohl für die Spuren, die Menschen hinterlassen, als auch für die, die wir Reisenden in der Landschaft hinterlassen. Wir haben die scheinbare Wildnis (Unberührtheit) der Landschaft, die uns umgibt, in Frage gestellt und unseren Blick auf veränderte Landschaften durch wirtschaftliche Eingriffe, veränderte Grenzen und die Kultivierung von Lebensräumen gerichtet.

Das primäre Thema unserer fotografischen Arbeit ist daher nicht die Landschaft an sich, sondern ihre vielfältigen, sichtbaren Transformationen. Diese Transformationen, die nicht von einem bestimmten Akteur, sondern von der globalen Menschheit verursacht werden, haben ihren Ursprung in sozialen, kommerziellen oder industriellen Dynamiken.

Mit unseren Fotografien möchten wir den Betrachter einladen, seinen Landschaftsbegriff zu erweitern. Wir agieren als Beobachter und Geschichtenerzähler zugleich und wollen so über die komplexen Beziehungen zwischen Mensch und Landschaft an unterschiedlichen Orten berichten. Dabei haben wir uns Zeit genommen, waren vor Ort und wurden auf unserer Reise für kurze Zeit Teil dieser Orte. In 6 Clustern vertiefen wir uns in Themen, die uns auf unserer Reise gefesselt haben, Themen, die uns zum Nachdenken gebracht haben und Geschichten, die wir gerne weiter erzählen würden.