Diese dünne Kante

Projekt und Ausstellung

12. Dezember 2020 – 20. März 2021.

Zuhause

Fotos von Dominik Zietlow 

Lesen Sie den vollständigen kuratorischen Text

 

Diese dünne Kante  ist ein Projekt, das während des Frühjahrs-Lockdowns in der Schweiz gestartet wurde. Der Titel wurde von einem Satz der bekannten Schriftstellerin Gloria Anzaldúa inspiriert und weist auf die zwei scheinbar gegensätzlichen Kräfte hin, die unserer Reaktion auf die Pandemie als Gesellschaft zugrunde liegen: Anpassung und Widerstand.  Diese dünne Kante  beginnt an dieser Kreuzung, an dieser  Kante  zwischen Anpassung an die aktuelle Situation und gleichzeitigem Widerstand dagegen, indem man sich neue zukünftige Welten vorstellt und politisch aktiv bleibt. Es ist auch ein Experiment, wie man Kunstprojekte außerhalb des traditionellen Ausstellungsmodells entwickeln kann.

Als Kuratoren, die daran gewöhnt sind, Ausstellungen und Veranstaltungen mit vielen Menschen zu organisieren, bestand die große Herausforderung und Chance während der Pandemie darin, Strategien zu entwickeln, die es ermöglichen würden, in einer so instabilen Situation wie der, in der wir derzeit leben, weiterhin Kunst zu schaffen und auszustellen. Vor diesem Hintergrund haben wir vier Künstler aus verschiedenen Städten eingeladen, an dem Projekt teilzunehmen und zu experimentieren, wie man in Zeiten der physischen Distanz als Kollektiv eine Ausstellung schafft: Maëlle Gross (Schweizerin, lebt derzeit in Lausanne), Katherine Patiño Miranda (Kolumbianer, lebt derzeit in New York), Sergio Rojas Chavez (Costaricaner, lebt derzeit in Basel) und Dominik Zietlow (Schweizer, lebt in Zürich).

Das Ziel des Projekts war die Schaffung von vier neuen Kunstwerken, die auf Aspekte unserer aktuellen Situation reagierten, die sich in diesem speziellen Fall um zwei Themen drehten: zwischenmenschliche Zuneigung und gegenseitige Abhängigkeit von/mit der Natur. Beide Themen werden von den Kunstwerken aufgegriffen, wobei auch Begriffe wie Austausch, Transformation, Fürsorge und Verbindung berührt werden. Sie hinterfragen auch die Vorstellungen rund um den öffentlichen und privaten Raum.

Die kuratorische Strategie basierte auf offenen Diskussionen über die Entwicklung der Kunstwerke und der Ausstellung und zielte darauf ab, eine horizontale Zusammenarbeit zwischen Kuratoren und Künstlern zu entwickeln. Als Ergebnis dieser Arbeitsdynamik haben wir uns gemeinsam entschieden, den Text „Four Changes“ des Dichters Gary Snyder als Grundlage unserer Recherche zu verwenden. Der 1969 verfasste Text diskutiert vier Veränderungen, die unsere Gesellschaft vornehmen müsste, um ein wirklich nachhaltiges Leben zu führen. Für jedes Thema (Bevölkerung, Umweltverschmutzung, Verbrauch und Umwandlung) schlägt Snyder spezifische Maßnahmen vor. „Vier Änderungen“ gelten als grundlegend für die Umweltbewegung und sind bis heute so aktuell  wie vor einem halben Jahrhundert, da „es in einem ausgereiften Verständnis der politischen Ökologie von Machtdynamiken und Ungleichheiten beim Zugang zu Ressourcen verwurzelt war, die unseren Planeten, seine biologische und kulturelle Vielfalt verwüsteten“.

Dieses Projekt wurde ermöglicht durch die großzügige Unterstützung von:

Kanton Zürich Fachstelle Kultur + Stadt Zürich Kultur + Fonds Cantonal d'Art Contemporain DCS Genève